16 Dezember 2017

Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen von Stephan M. Rother



https://www.rowohlt.de/reihe/die-koenigschroniken.html
Hetman Morwa ist der erste Führer, der kurz davor ist, alle Stämme der Tieflande und des Nordens zu vereinen und ein Königreich zu gründen. Dieser Einigung gingen zahllose Kriege und erhebliche Verluste voraus. Doch Morwa ist sich sicher, dass ein Unheil aufzieht, er spürt die Dunkelheit und ist überzeugt  dass nur ein Zusammenhalt aller Menschen dieser Dunkelheit begegnen kann.
Die vergessenen Götter zürnen, das muss auch Pol erfahren. Ein Waise und Dieb, aufgewachsen in den Elendsvierteln der Stadt. Etwas an ihm zieht die Aufmerksamkeit der Mächtigen auf sich und schon bald ist es mit Pols Anonymität und dem abenteuerlichen Leben vorbei.
Leyken ist ein Mädchen aus der Wüste, aufgewachsen stark frei und ungebunden. Ihr Stamm wird überfallen und alle Mitglieder werden gnadenlose niedergemetzelt, die Frauen geschändet. Leyken beobachtet von ihrem Versteck aus den brutalen Überfall. Unter den zahlreichen Toten befindet sich allerdings nicht die Leiche ihrer Schwester. Also begibt sie sich mit einigen Angehörigen ihres Stammes, die während des Überfalls auf der Jagd waren und daher überlebten, auf die Suche nach ihrer Schwester. Leyken möchte Ildris retten, während die Männer sich verpflichtet fühlen Ildris zu töten, denn eine geschändete Frau ist eine Schande für den Stamm. 


Sölva ist die Tochter Morwas mit einer seiner Nebenfrauen. Sie hat keinen Status im Stamm, die vier Söhne des Hetmanns mit seiner Hauptfrau erfahren alle seine Aufmerksamkeit. Aus ihnen muss er einen starken und respektieren Anführer wählen, der nach ihm die Krone tragen und das Reich halten und führen kann. Langsam aber sicher fällt Morwas Blick immer häufiger auf seine Tochter, denn sie hat etwas an sich, das er nicht benennen oder fassen kann, ihn aber beeindruckt.
Die Schicksale Pols, Leykens, Sölvas und Ildris verknüpfen sich nach und nach, denn sie alle sind auserwählt den vergessenen Göttern entgegen zu treten. Doch wie sollen vier junge Menschen aus den entferntesten Winkeln der Welt die Götter besänftigen?
Kommentar:
Die Szenarien, die der Autor hier beschreibt sind sehr unterschiedlich aber stets fesselnd. Der raue Norden, die heiße Wüste, die prächtige Stadt, die Schauplätze könnten nicht gegensätzlicher sein. Leyken erfährt den Kontrast am stärksten. Sie, ein Mädchen aus der Wüste, landet in der kaiserlichen Rabenstadt, die von dem Weltenbaum, der heiligen Esche, dominiert wird. Was mit der Suche nach ihrer Schwester begann endet bei einem merkwürdigen Schachspiel in einer dekadenten Stadt, das über ihr weitere Leben entscheidet.
Pol ist fünfzehn Jahre alt. Er ist als Waise aufgewachsen. Der Wirt der Kneipe "Drachenfuther "nahm sich seiner an, so dass der Junge in einer abwechslungsreichen und interessanten Umgebung aufwuchs. Er ist ein kleines Schlitzohr, wendig und charmant aber diese Eigenschaften nützen ihm nichts, als er des Mordes an einem hochrangigen Beamten verdächtigt wird. Pols ist sehr liebenswert und gewinnt die Herzen der Leser sofort.
Aber Sölva ist mein Liebling in dieser Geschichte. Inmitten ihres Stammes erfährt sie Sicherheit und Schutz aber kaum Aufmerksamkeit . Ihre Brüder sind große Krieger und buhlen um die Nachfolge ihres Vaters. Ihr Herz schlägt für den lustigen, draufgängerischen und charmanten Bruder Morwen. Doch ihr Vater befürchtet, dass dieser seiner Söhne durch seine Hitzköpfigkeit seine Untertanen in Gefahr bringen wird. Auch die anderen drei Söhne genügen nicht vollständig seinen Ansprüchen, auch wenn alle vier beim Volk sehr beliebt sind. Langsam erkennt der Hetmann, dass einzig Sölva alle Charaktereigenschaften in sich vereint, die er sich bei seinen Söhnen wünscht. Sie ist tapfer aber vorsichtig, sie ist klug und schließt  mit den merkwürdigsten Menschen Freundschaft, sie ist offen aber nicht offenherzig und durch  ihre ruhige und bedachte Art wirkt sie reifer, als sie ist.
Ildris bleibt ein Rätsel, dass sich hoffentlich in den Folgebänden löst aber auch sie mag man. Ihr Schicksal ist wohl das  grausamste von allen Protagonisten. In Sölva findet sie eine Freundin, die ihr zur Seite steht.
Die Sprache ist teilweise sehr verschlungen und schnörkelig. Der Autor nutzt sehr viele Metaphern um etwas zu beschreiben. Manchmal ist es des Guten zu viel. Und trotz der wirklich außergewöhnlichen Sprache, die durchaus Eindruck macht fallen mir auch hier der fehlende Genitiv und die häufige Wortfolge "die, die.." negativ auf. Es wäre für den Lesefluss und das Auge des Lesers viel angenehmer hier auch einmal die Wendung  "die, welche" oder andere Umschreibungen zu nutzen. Normalerweise habe ich mir angewöhnt, das zu überlesen und als kleines Ärgernis hinzunehmen aber hier ist es ein Stilbruch in der ansonsten außergewöhnlichen Nutzung der Sprache, daher fällt der Kontrast extrem auf.
Das schmälert natürlich den Genuss der beachtenswerten Geschichte mit den wirklich sympathischen Protagonisten nicht. Das Cover zeigt die Esche, umringt von Feuer, was die Bedrohung der Welt sehr deutlich darlegt. Es gibt zu dieser Serie auch eine Website: www. koenigschroniken.de, auf der ein interessierter Leser mehr Informationen bekommen kann. Dies und auch die wirklich  sehr schöne Karte im Buch zeigen, wie tief Stephan M. Rother mit seiner Geschichte verbunden ist und als Leser weiß man das zu schätzen. Die Protagonisten zeigen eine Tiefe, wie man sie eher selten findet. Sie haben Raum, sich zu entwickeln und sich nach und nach dem Leser vollständig zu offenbaren.  Was mich irritiert ist, dass bei der Beschreibung des Buches immer nur von drei Frauen die Rede ist aber der junge Pol nimmt durchaus seinen Platz ein und weiß sich in der dominanten Frauenriege zu behaupten und den Leser für sich einzunehmen. Wie schon erwähnt, Sölva hat mich absolut überzeugt. Die Grundidee eines bewohnten oder lebenden und fühlenden Baumes ist sicher nicht neu aber wirklich spannend und überzeugend umgesetzt. Teilweise wirkt es sogar bedrohlich auf den Leser.  Das Setting wirkt etwas mittelalterlich, vor allem in den Städten, bei einem studierten Historiker sicherlich keine Überraschung. Die Kapiteleinteilung überzeugt ebenfalls und erhöht die Spannung.
Ein Glossar am Ende des Buches fehlt ebenfalls nicht, es gibt wirklich nichts zu meckern. Ich bin gespannt auf Band zwei der Königschroniken.
Einen Dank an den Rowohlt Verlag, der mir dieses Buch zur Verfügung stellte.
Titel: Ein Reif von Eisen
Verlag: Rowohlt Polaris, Softcover, 380 Seiten
ISBN: 9783499273568

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