30 Oktober 2016

Das Schloss der Skelette von Florian C. Booktian



Auszug aus meiner Rezension bei www.fantasybuch.de
Die Erde ist pleite. So nimmt sie sich die großen Firmen als Vorbild und strebt eine Fusion mit dem Planeten Gnaa an. Auch wenn die finanziellen Probleme dadurch gelöst sind, entstehen durch die Allianz zweier sehr unterschiedlichen Welten doch durchaus eine Menge neuer Schwierigkeiten. Während sich die Bewohner des Planeten Gnaa, die alles andere als menschlich sind, schnell mit den neuen Verbündeten angefreundet haben und sie als Leckerbissen willkommen heißen, haben die Bewohner der Erde doch so einige Probleme mit den verschiedenen Spezies des neuen Erdteils. Und kulturelle Unterschiede führen natürlich auch zu Missverständnissen und neuartigen Verbrechen. Zur Aufklärung der Vorfälle braucht es Fingerspitzen- und Feingefühl. Und da betritt der beste Ermittler aller Welten, Percy Meercat, die Bühne. Ein 120cm großes Erdmännchen, ausgerüstet mit einem umgebauten Ford Mustang, einem Colt Detektive Special und einer untrüglichen Spürnase.
Eigentlich wollte Percy nach Abschluss seines letzten Falles endlich einmal Urlaub machen. Stattdessen bekommt er einen jungen und naiven Praktikanten zugeteilt. Milten, einen jungen Erfinder, der das Erfinden erst noch erfinden muss. Percy Meercat nimmt Milten mit nach Sharpytown und hofft, dort eine ruhige Kugel schieben zu können. Doch das neue Detektivduo wird sehr schnell in mysteriöse Vorfälle verwickelt, da immer mehr Einwohner der abgelegen Kleinstadt auf unheimliche Weise verschwinden. Als auch Rachel, Percys neue Kuschelfreundin, entführt wird, gibt es für das findige Erdmännchen kein Halten mehr. Gemeinsam mit Milten versucht er, den Grund für diese seltsamen Vorkommnisse herauszufinden.
 Ich beginne in meinem Kommentar mit einigen Kritikpunkten, was aber nicht bedeuten soll, dass ich dieses Buch nicht mochte.  Die Geschichte ist herrlich skurril und unterhaltsam und die Ideen des Autors sind teilweise wirklich innovativ.  Die vollständige Rezension lesen Sie hier
8 von 10 Punkten
Titel: Das Schloss der Skelette
Reihe: Milten & Percy Band 1
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1518869525

29 Oktober 2016

Zeit der Jäger (Mercy Thompson Band 4) von Patricia Briggs



Mercy Thompson ist eine Automechanikerin, Anfang 30 und steht mit beiden Beinen fest im Leben. Beiden Beine? So wäre es, wäre sie ein gewöhnlicher Mensch. Doch sie ist eine Walkerin, was bedeutet, dass sie sich in einen Kojoten verwandeln kann. Zu ihrem Freundeskreis zählen Werwölfe, Feen und ein Vampir. Doch seit einiger Zeit hat sie den Kontakt zu Stefan, dem Vampir, abgebrochen, da sie der Meinung ist, er habe unschuldige Menschen getötet. Dass er dies nur getan hat, um sie vor der Vampirkönigin zu schützen, spielt für sie keine Rolle. Ihrer Meinung nach braucht sie keinen Schutz. Doch bald muss auch Mercy erkennen, dass es vor einer verärgerten Vampirkönigin kein Verstecken oder Weglaufen  gibt. Auf Anraten von Stefan und Adam, dem Anführer des Werwolfrudels, verlässt sie die Stadt. Und begibt sich damit in eine weitaus größere Gefahr als eine verärgerte Marsilia.
Die Geschichte setzt die Handlungsstränge aus Band drei nahtlos fort, daher sollte man die Bücher nacheinander  lesen. Auch für die Entwicklung der Charaktere ist die Einhaltung der Reihenfolge auf jeden Fall sinnvoller.
Um ehrlich zu sein, hat mir dieser Band nicht so gut gefallen wie die ersten drei Bücher über Mercy Thompson. Ich konnte dem verworrenen Plot tatsächlich zeitweise nicht ganz folgen. Auf der einen Seiten der Vampir Blackwood und seine Absichten und auf der anderen Seite Marsilia und ihre Pläne. Zwei Erzählstränge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Ein Erzählstrang hätte durchaus ausgereicht. Ich hätte gerne mehr über Blackwood, sein Leben und seine Geschichte erfahren. Hier hätte man wesentlich mehr daraus machen können. Auch Marsilia und ihr Zorn kommen viel zu kurz. Sie bleibt zu oberflächlich. Und dann haben wir Samuel, Adam und Stefan, die Mercy zu Füßen liegen (sprichwörtlich) und Warren, Ben und Kyle, die sie anbeten. Etwas mehr Frauenpower als Gegenzug zu Mercy wäre sicher kein Fehler. Die Frauen aus dem Werwolfclan zähle ich nicht dazu, in ihrer Unterwürfigen Rolle verärgern sie Leserinnen eher, als dass man sie mag und respektiert.
Die widerkehrenden Charaktere gefallen mir sehr gut, mein Favorit ist Warren, vielleicht, weil er so auf Kyle steht, das er kein Buhler um Mercys Liebe ist, wie all die anderen gestandenen Mannsbilder.
Die Cover sind immer ähnlich gestaltet, jedoch immer in einer anderen Farbe. Mir gefallen sie, sie passen gut zu den Geschichten und vermitteln klar, was den Leser erwartet. Der Schreibstil ist leicht und locker Nicht besonders anspruchsvoll aber sehr unterhaltsam. Ein Buch für einen verregneten Nachmittag.
6 von 10 Sternen
Titel: Zeit der Jäger (bone crossed)
Reihe: Mercy Thompson Band 4
Autor: Patricia Briggs
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
Verlag: Heyne, TB, 399 Seiten
ISBN: 978-453-525801

28 Oktober 2016

Im Auftrag der Rache von Col Buchanan



Band zwei schließt nahtlos an die Geschichte von Band eins an. Nach dem Tod ihres Sohnes ist Sasheen, die Herrscherin der Mhann, angreifbar geworden. Ihre Rivalen umkreisen sie wie Geier und warten nur auf ein Zeichen der Schwäche. Um ihre Position zu behaupten und ihren Thron zu sichern, muss sie ihr Volk davon überzeugen, dass sie immer noch die unangefochtene Herrscherin ist. Und dies schafft sie nur mit einem ultimativen Sieg über die Stadt Bar-Khos. Bar Khos, die Anführerin der freien Handelsstädte, die sich seit zehn Jahren erfolgreich gegen eine Eroberung wehrt. Sasheen sammelt alle ihre Truppen um einen vernichtenden Schlag gegen die freien Handelsstädte zu führen.
Sasheen hat an den Mördern ihres Sohnes furchtbare Rache genommen. Sie fühlt sich vor einer Vergeltung des Ordens sicher, denn der Kodex der Röschun verbietet eine persönliche Rache. Da Regeln und Gebote den Mhann alles sind, kann sich die Kaiserin nicht vorstellen, dass ein Mitglied des Ordens anders handelt, als es der Kodex gebietet. Doch Ash ist ein Mensch und keine Maschine und er folgt seinem Herzen. Er verlässt den Orden, alt, krank und einsam und er hat nichts mehr zu verlieren. Er macht es sich zum Ziel, die Herrscherin der Mhann zu vernichten und ihre Eroberungspläne zu vereiteln. Nur Che, ein Mönch und Attentäter am Hof der Kaiserin, ist ein angemessener Gegner für Ash. Che kennt die Kampf- und Infiltrationstechniken der Röschun sehr genau aber Ash hat ihm 30 Jahre an Erfahrung voraus.
Währenddessen bereitet sich die Stadt Bhar-Kos auf den Angriff der Mhann vor. Sie wissen, dass sie zahlenmäßig weit unterlegen sind und so plant der alte Kriegsherr Glaub einen Überraschungsangriff auf dem Schlachtfeld. Dies stößt auf erheblichen Widerstand in den Reihen der politischen Führer, die sich lieber weiterhin hinter den Stadtmauern verstecken möchten. Diese Uneinigkeit macht es dem Feind leicht, seine Pläne zu verwirklichen und General Glaub muss zu extremen Mitteln greifen, um die freien Handelsstädte zu verteidigen. Er sammelt seine Veteranen um sich und wagt Unglaubliches.
Kommentar:
Ein Mann gegen ein ganzes Volk.
Das scheint übertrieben und unglaubwürdig. Doch die Mhann sind dekadent und eitel geworden. Orgien und Drogenkonsum beherrschen den Alltag des Adels, Intrigen sind an der Tagesordnung und jeder agiert gegen jeden. Diese Uneinigkeit und Überheblichkeit macht sie angreifbar. Che ist ein Protegé der Kaiserin, doch er fühlt sich am Hof nicht wohl. Er ist ein Eigenbrötler und das Benehmen der Adeligen stößt ihn ab. Auf Wunsch der Kaiserin begleitet er sie auf ihrem Feldzug. Eigentlich als ihr Leibwächter, doch von seinen Vorgesetzten hat er den Auftrag, Sasheen zu töten, sollte sie bei diesem Feldzug scheitern. Denn ein Versagen ist für die Mhann inakzeptabel.
Was die Hauptfigur Ash so interessant macht ist ihr hohes Alter. Er hat mit 60 Jahren viel erlebt und erlitten. Jetzt steht er am Ende seines Lebens und setzt alles auf eine Karte, um Sasheen zu vernichten. Ihm ist es egal ob er überlebt und daher geht er ungeheure Wagnisse ein und überrascht den Gegner und den Leser mit immer neuen Finessen.
Er und Che begegnen sich während des Feldzuges und einer erkennt in dem anderen einen gleichwertigen Gegner, den man respektieren kann. Che ist keine einfach strukturierte Figur, der Autor hat ihm Gefühle, Gedanken und Zweifel eingegeben, die man als Leser durchaus nachvollziehen kann. Trotz allem fühlt er sich den Mhann verpflichtet und so ist er hin und her gerissen zwischen seinem Respekt vor den Röschun und seiner Treue zu den Mhann. Auch die Nebenfiguren besitzen eine Tiefe, die man selten in einem Fantasy Buch findet und ihre Schicksale verbinden sich teils auf ungewöhnliche Weise miteinander. Diese kleinen Geschichten innerhalb der Geschichte machen das Buch so einzigartig und spannend. Man wird berührt und bleibt nicht unbeteiligt an dem Leben und Sterben dieser Personen.
Ein Minuspunkt bei diesem Buch ist das einfallslose Cover, es hebt sich dadurch leider äußerlich von den anderen Neuerscheinungen nicht ab. Es wird Zeit, dass sich die Illustratoren endlich wieder etwas anderes einfallen lassen, als schemenhafte Gestalten, die in einem Kapuzenmantel gewandet sind und geheimnisvoll erscheinen sollen. Das Kartenmaterial im Inneren entschädigt einen aber dann etwas.
Fazit:
Band zwei hält das Niveau von Band eins, kann es sogar noch toppen.
Ein ruhiges, langsames Buch, das die Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Obwohl dieses Buch alles enthält, was auch andere Fantasy Bücher enthalten: Helden, Kriege, eine Queste und Antihelden, hebt es sich doch deutlich von der allgemeinen Masse ab. Jede Figur ist einzigartig und berührt den Leser.
10 von 10 Sternen
Titel:  Im Auftrag der Rache
Reihe: Farlander Band 2
Autor: Col Buchanan
Übersetzer: Michael Siefener
Verlag: Heyne, Softcover, 688 Seiten
ISBN: 978-3453533714

25 Oktober 2016

Der Pfad des Kriegers von Col Buchanan



Bar-Khos ist eine Stadt, die seit zehn Jahren unter Belagerung steht. Das Volk der Mhann hat mittlerweile fast alle Länder der bekannten Welt unterworfen und nun möchten sie auch die letzte Bastion des Widerstandes zu Staub zermahlen. Die Mhann sind ein brutales Volk, deren Leben von einer grausamen Religion bestimmt wird. Eroberung und Tod gehören zu ihrem Glaubensbekenntnis.
In dieser Stadt treffen zwei Menschen aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Ash ist ein alter und kranker Mann aber ein begnadeter Schwertkämpfer, der etwas von seinem Wissen, seinem Können und seiner Weisheit der Nachwelt hinterlassen möchte. Fern seiner Heimat Farland hat er sich einst dem Orden der Röschun angeschlossen. In diesem Orden wird man als Attentäter ausgebildet. Die Mitglieder werden angeheuert wenn unschuldige Opfer ermordet wurden und dafür Vergeltung verlangt wird. Sie unterliegen einem strengen Ehrenkodex und die Erfüllung eines angenommenen Kontrakts ist oberste Pflicht. Versagt ein Röschun bei einem Auftrag, übernimmt das nächste Mitglied des Ordens dessen Platz um die Aufgabe zu erledigen, so lange, bis sie erfüllt ist. Sie geben somit den Ermordeten ein Gesicht und eine Stimme. Ash ist der beste Attentäter seines Ordens, ein Meister der Schwertkunst, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat, doch eine Krankheit beeinträchtigt sein Augenlicht, so dass er das Ende seiner Karriere nahen sieht. Sein Meister bittet ihn, den aktiven Dienst einzustellen und sich zur Ruhe zu setzen. Doch dies würde für Ash bedeuten sich mit seiner Vergangenheit, seiner Heimat und seinen Verlusten auseinander zu setzen.
Nico ist ein armer, junger Mann, den das Leben bisher bitter enttäuscht hat und der keinem klaren Ziel folgt. Er ist von zu Hause ausgerissen und lässt sich treiben. Als er von Ash bei einem Diebstahl erwischt wird, erkennt dieser das Potenzial des Jungen und nimmt ihn als Lehrling auf. Ein nie da gewesenes Ereignis, denn Ash hat sich in seinen zweiundsechzig Jahren bisher immer geweigert, jemanden zu unterrichten. Durch die Fragen des jungen Mannes öffnet sich Ash langsam wieder für die Welt.
Gemeinsam suchen die beiden Männer den Orden auf, wo Nico mit seiner Ausbildung beginnt. Er hat es schwer dort Freunde zu finden. Viele sind eifersüchtig auf seine Stellung als Ash’ Lehrling und Nico selber ist ein sehr introvertierter Mensch. Er zweifelt an seiner Fähigkeit, einem Menschen das Leben zu nehmen, trotz allem absolviert er die Ausbildung ohne Klagen, da er sich dem alten Mann verpflichtet fühlt.
Als der Kronprinz der Mhann eine junge Frau ermordet, die unter dem Schutz der Röschun steht, ist dies eine kaum zu bewältigende Herausforderung für den Orden. Sie müssen in das Zentrum der mächtigsten Stadt der Mhann eindringen und den angehenden Herrscher ermorden. Ein Kontrakt, durch den der Orden durchaus vernichtet werden kann, denn der Gegner ist fast unbesiegbar. Hinter ihm stehen gewaltige Heere, während die Röschun nur aus einer Handvoll Männer bestehen.
Sind die beiden unterschiedlichen Männer bereit für diese Aufgabe?
Kommentar:
Für diese Geschichte ist es nicht relevant, in welchem Land oder auf welcher Welt sie spielt, ob sie starke Fantasyelemente enthält oder nicht.
Wichtig sind die beiden Hauptpersonen, denen der Autor hier Leben einhaucht. Obwohl beide an unterschiedlichen Punkten des Lebens stehen, ähneln sich ihre Charaktere sehr. Beide haben fast alles verloren was ihnen lieb und teuer ist und beide sind Eigenbrötler und scheuen den Kontakt zu ihren Mitmenschen. Jeder findet in dem Anderen etwas, was ihm selber fehlt und zusammen bilden sie eine Einheit.
Col Buchanan beschreibt die Annäherung der beiden Männer sehr gefühlvoll und glaubwürdig, nie zu dramatisch oder aufdringlich. Es ist eine langsame und ruhige Annäherung, beide Figuren haben Zeit, sich zu entwickeln und sich dem Leser zu präsentieren. Das mag sich langweilig anhören, ist es aber nicht. Denn beide Männer sind so facettenreich und tiefgründig, dass es spannend ist, sie kennen zu lernen und zu begleiten. Und auch der Humor kommt hier nicht zu kurz. Die Dialoge der beiden bringen den Leser oft zum Schmunzeln. Auf der einen Seite der wissbegierige und nervige junge Mann, auf der anderen Seite der mürrische und mundfaule Alte.
Die Nebenfiguren bereichern die Geschichte noch um einiges. Die dekadenten und herrschsüchtigen Mhann, die ihre Religion als Alibi für die Eroberung und Unterdrückung ganzer Völker benutzen, die Führer der Stadt Bhar-Kos, die sich hinter ihren Mauern sicher fühlen und die Ratschläge alter Veteranen ignorieren, die Mitbrüder des Ordens, unter denen ein starker Konkurrenzkampf stattfindet und nichts ist so klar und einfach wie es scheint.
Das etwas einfallslose Cover des Buches spiegelt leider die spannende Geschichte in keinster Weise wieder. Geheimnisvolle, in Kapuzenmäntel verhüllte Gestalten, finden wir mittlerweile auf fast allen Neuerscheinungen. Hier würde ich mir von den Illustratoren als auch von den Verlagen mehr Mut wünschen. Mit Wehmut denke ich da an die alten Ausgaben der Goldmann Fantasy TB der achtziger Jahre, bei denen jedes Cover ein wahres Kunstwerk war und immer einen Teil der Geschichte wieder gespiegelt hat. Als Trost findet der Leser aber immerhin eine detaillierte Karte der Reiche im Inneren.
Fazit:
Eine spannende Geschichte über zwei Außenseiter deren Schicksal untrennbar miteinander verbunden ist, erzählt in einer warmherzigen Art.
Einen 62 Jahren alten müden Krieger zur Hauptfigur eines Romans zu machen, in einer Zeit, in der jugendliche Helden die Buch- und Filmwelt erobern, ist mutig aber das Wagnis hat sich gelohnt.
10 von 10 Sternen
Titel: Der Pfad des Kriegers
Reihe: Farlander Band 1
Autor: Col Buchanan
Übersetzer: Michael Siefener
Verlag: Heyne, Softcover, 706 Seiten
ISBN: 978-3453527737